Ein Systemintegrator verbindet Roboter, Werkzeug, Peripherie und Steuerung zu einer Anlage, die deinen Prozess ausführt. Er verantwortet dieses Gesamtsystem, einschließlich der CE-Kennzeichnung. Das Wort "schlüsselfertig" ist dabei nicht geschützt. Für den einen Anbieter endet der Umfang bei der gelieferten Zelle, für den anderen reicht er von der Machbarkeitsstudie bis zur Ersatzteilversorgung über zehn Jahre.
In dieser Lücke entstehen teure Überraschungen. Wer die Auswahl an Referenzlisten und Preisen festmacht, erfährt erst nach der Bestellung, welche Leistungen fehlen. Dieser Beitrag nennt neun Prüfpunkte für die Anbieterwahl.
Ein vollständiges Automatisierungsprojekt umfasst acht Bausteine:
Fehlen Punkte in einem Angebot, ist das noch kein Ausschlussgrund. Es heißt nur: Diese Leistungen erbringst du selbst oder beauftragst sie separat. Lass dir den Umfang schriftlich geben. Markiere, was ausdrücklich außen vor bleibt. Diese Liste ist später die Basis für den Angebotsvergleich.
Peripherie ist alles, was den Roboter arbeitsfähig macht: Bildverarbeitung, Förderer, Greifer und Werkzeuge. Gerade hier gehen Angebote weit auseinander.
Die CE-Kennzeichnung, kurz für Conformité Européenne, ist die Konformitätsbewertung nach europäischem Recht. Sie gilt für die Gesamtanlage, nicht nur für einzelne Bauteile. Wer Roboter, Werkzeug und Peripherie zu einem gesteuerten System verbindet, schafft rechtlich eine neue Maschine und wird damit deren Hersteller.
Bei verketteten Anlagen passiert häufig folgender Fehler: Jedes Modul bringt sein eigenes CE-Zeichen mit, für die Gesamtanlage fühlt sich niemand zuständig. Die Einzelkennzeichnungen ersetzen die Bewertung des Gesamtsystems jedoch nicht.
Vier Punkte gehören deshalb schriftlich geklärt:
Weicht ein Anbieter diesen Punkten aus, bleibt die Verantwortung mit hoher Wahrscheinlichkeit bei dir als Betreiber.
Die Verordnung (EU) 2023/1230 gilt ab dem 20. Januar 2027. Sie löst die Maschinenrichtlinie 2006/42 ab, und über dieses Datum hinaus gibt es keine Übergangsfrist für das Inverkehrbringen nach altem Recht. Jede Maschine, die ab diesem Tag in Verkehr gebracht wird, muss die neuen Anforderungen erfüllen.
Für ein Projekt, das heute startet, ist die Zuordnung entscheidend. Nach welchem Recht deine Anlage in Verkehr gebracht wird und wer das prüft, gehört in den Vertrag.
Die Verordnung stellt höhere Anforderungen an Dokumentation und IT-Sicherheit. Software mit Sicherheitsfunktion gilt darin ausdrücklich als sicherheitsrelevantes Bauteil. Ein Anbieter, der das Datum kennt und seine eigene Rolle beschreiben kann, hat sich vorbereitet.
Die Normenreihe ISO 10218 hat 2025 ihre erste große Revision seit 2011 erhalten. Drei Änderungen sind für die Anbieterwahl relevant.
Teil 2 richtet sich an Integratoren. ISO 10218-2:2025 behandelt Roboteranwendungen und Roboterzellen. Die Norm formuliert die Anforderungen an denjenigen, der die Zelle integriert. Wer schlüsselfertig liefert, arbeitet nach diesem Teil.
Die frühere Spezifikation 15066 ist eingearbeitet. Das separate Dokument für kollaborierende Anwendungen existiert nicht mehr eigenständig. Seine Anforderungen stehen jetzt in der Normenreihe selbst. Beruft sich ein Angebot noch auf die alte Spezifikation als eigene Referenz, arbeitet es mit einem überholten Stand.
Der Begriff "kollaborativer Roboter" entfällt. Die neue Fassung trennt Industrieroboter und Cobots nicht mehr. Maßgeblich ist die Anwendung, nicht die Produktkategorie. Teil 1 führt stattdessen zwei Risikoklassen ein, jede mit eigenen Anforderungen an Sicherheit, Steuerung und Integration.
Die praktische Folge: Frag nicht, ob ein Anbieter "Cobots kann". Frag, wie er die Risikobeurteilung für deine Anwendung aufbaut und nach welcher Fassung er arbeitet.
Ein offizieller Systemintegrator der Roboterhersteller ABB, KUKA oder FANUC bringt geschulte Programmierer und direkten Herstellersupport mit. Das ist ein realer Vorteil. Über das Verständnis deines Prozesses sagt es wenig aus.
Die schwierigen Fragen liegen selten beim Roboterarm. Sie liegen bei Bauteiltoleranzen, wechselnden Chargen, Greifprinzipien und der Taktzeit unter realen Bedingungen. Nimm den Anbieter beim Werkstück. Wer über Verschleiß, Positioniergenauigkeit und Ausschussquoten spricht, bringt dich weiter als ein Markenlogo.
Herstellerunabhängige Anbieter haben hier einen strukturellen Vorteil. Sie wählen die Kinematik nach Anforderung statt nach Portfolio. Wie stark das zählt, hängt davon ab, wie speziell deine Anwendung ist.
Ein prüfbarer Nachweis ist eine Angabe, die du unabhängig vom Anbieter überprüfen kannst. Vier davon sind belastbarer als jede Referenzliste:
Der Machbarkeitsnachweis wirkt als stärkster Filter. Wenn ein Anbieter deine realen Werkstücke greifen oder erkennen soll und das vorab zeigt, klärt sich die zentrale technische Unsicherheit vor der Investition. Anbieter, die diesen Schritt anbieten, tragen selbst einen Teil des Projektrisikos.
Eine Roboterzelle ist zugleich ein mechanisches, elektrisches und softwareseitiges System. An ihrem Aufbau sind sechs Disziplinen beteiligt:
Fehlt eine Disziplin im Haus, wird sie zugekauft. Die Schnittstelle wird dann zur Schwachstelle. Entscheidend ist, wer im Fehlerfall koordiniert. Ein Ansprechpartner, der auch bei fremdvergebenen Anteilen verantwortlich bleibt, wiegt einen niedrigeren Preis mit geteilter Zuständigkeit auf.
Zwei Abnahmen strukturieren ein Automatisierungsprojekt. Die Werksabnahme, englisch Factory Acceptance Test oder kurz FAT, ist die Prüfung beim Anbieter vor der Auslieferung. Sie klärt unter kontrollierten Bedingungen, ob die Zelle die vereinbarten Spezifikationen erfüllt. Du oder ein Vertreter solltest dabei sein.
Die Standortabnahme, englisch Site Acceptance Test oder kurz SAT, folgt nach der Installation bei dir. Sie prüft die Anlage unter realen Einsatzbedingungen und bildet die Grundlage für die finale Abnahme.
Beide Tests wirken nur mit messbaren Kriterien. Fünf Punkte gehören vorher schriftlich fixiert:
Ein Anbieter, der messbare Abnahmekriterien selbst vorschlägt, rechnet damit, sie zu erfüllen.
Nach der Übergabe arbeitet dein Team mit der Anlage, nicht der Integrator. Wie leicht sich ein neues Produkt einrichten lässt, entscheidet über die Flexibilität der Zelle. Vier Punkte gehören dazu konkret geprüft:
Lass dir die Bedienoberfläche vor der Bestellung zeigen, idealerweise bedient von jemandem aus deinem Team.
Für den Betrieb danach zählen sechs Zusagen:
Bei Sonderkonstruktionen wiegt die Ersatzteilfrage besonders schwer. Eine eigens konstruierte Vorrichtung steht in keinem Katalog.
Zwei Angebote mit deutlichem Preisunterschied beschreiben fast immer unterschiedliche Leistungen. Neun Positionen stellen Vergleichbarkeit her, bevor du Zahlen nebeneinanderlegst:
| Position | Anbieter A | Anbieter B |
|---|---|---|
| Enthaltene Engineering-Stunden | ||
| Risikobeurteilung und CE für die Gesamtanlage | ||
| Machbarkeitsnachweis vorab | ||
| Abnahmekriterien mit Messverfahren | ||
| Schulung: Personen und Tage | ||
| Dokumentation: Umfang und Sprache | ||
| Gewährleistung und Laufzeit | ||
| Reaktionszeit im Servicefall | ||
| Ersatzteilpaket |
Erst gefüllt sagt diese Tabelle etwas über den Preis aus. Häufig schrumpft der Unterschied, sobald fehlende Leistungen ergänzt sind. Welche Posten den Preis einer schlüsselfertigen Zelle treiben, schlüsselt der Beitrag Was kostet eine schlüsselfertige Roboter-Lösung? auf.
Ein Auswahlprozess in sechs Schritten deckt die genannten Punkte ab:
Wie die Inbetriebnahme anschließend abläuft, beschreibt Wie funktioniert die Inbetriebnahme einer schlüsselfertigen Roboterlösung?. Bei unsicherer Investitionslage sammelst du über Roboter mieten statt kaufen Erfahrung mit geringerem Kapitaleinsatz.
Der Hersteller baut den Roboter. Der Systemintegrator verbindet Roboter, Werkzeug, Peripherie und Steuerung zu einer Anlage für deinen Prozess und verantwortet dieses Gesamtsystem samt CE-Kennzeichnung.
Eine offizielle Partnerschaft bringt geschulte Programmierer und direkten Herstellersupport. Herstellerunabhängige Anbieter wählen die Kinematik dagegen frei nach Anforderung. In beiden Fällen entscheidet das Prozesswissen.
Derjenige, der die Einzelkomponenten zu einem gesteuerten Gesamtsystem verbindet. In einem schlüsselfertigen Projekt ist das der Systemintegrator. Bei geteilter Beauftragung geht die Verantwortung auf dich als Betreiber über.
Die Verordnung (EU) 2023/1230 gilt ab dem 20. Januar 2027 und ersetzt die Maschinenrichtlinie 2006/42. Sie verschärft die Anforderungen an Dokumentation und IT-Sicherheit und behandelt Software mit Sicherheitsfunktion als sicherheitsrelevantes Bauteil. Eine Übergangsfrist über dieses Datum hinaus besteht nicht.
Die frühere Spezifikation 15066 ist in die Normenreihe eingearbeitet, und der Begriff des kollaborativen Roboters entfällt. Bewertet wird die Anwendung statt der Produktkategorie. ISO 10218-2 formuliert die Anforderungen an den Integrator deiner Zelle.